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Gehörnte Mauerbienen bei der Paarung – Foto: Hubertus Schwarzentraub
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Gehörnte Mauerbienen bei der Paarung – Foto: Hubertus Schwarzentraub

Die ersten summenden Frühlingsboten: Mauerbienen schlüpfen

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres beginnt ein kleines Naturwunder: Die ersten Mauerbienen schlüpfen aus ihren Kokons. Während viele Insekten noch in Winterruhe verharren, gehören sie zu den frühesten Bestäubern unserer Gärten und Landschaften. Besonders häufig sind jetzt die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) zu beobachten.

Frühstart ins Bienenjahr

Schon jetzt ab Anfang März – sobald die Temperaturen steigen – beginnen die ersten Mauerbienen zu schlüpfen. Zunächst erscheinen die Männchen, die einige Tage vor den Weibchen aktiv werden und geduldig an den Nisthilfen oder in Mauerritzen auf ihre Partnerinnen warten. 

Faszinierende Fähigkeit der Weibchen

Eine besondere Besonderheit der Mauerbienen ist ihre Fortpflanzung: Das Weibchen entscheidet selbst, ob aus einem Ei ein Männchen oder ein Weibchen entsteht.

Nach der Paarung speichert das Weibchen die Spermien in einem speziellen Organ. Beim Legen eines Eis kann sie gezielt entscheiden, ob sie das Ei befruchtet oder nicht:

  • befruchtetes Ei → Weibchen

  • unbefruchtetes Ei → Männchen

Dieses System wird in der Biologie als haplodiploide Geschlechtsbestimmung bezeichnet und ist typisch für Wildbienen, Honigbienen und Wespen.

Auch die Position im Nest folgt einer Strategie:
Die Weibchen werden meist tiefer im Gang angelegt, während die Männchen näher am Ausgang liegen. Da Männchen etwas früher schlüpfen, können sie so leichter den Weg nach draußen finden – und warten dort bereits auf die später schlüpfenden Weibchen.

Ist die Paarung erfolgt, beginnt für die Weibchen eine arbeitsreiche Zeit: Sie sammeln Pollen und Nektar, legen Brutzellen an und versorgen ihren Nachwuchs ganz allein. Anders als Honigbienen leben Mauerbienen solitär – jedes Weibchen baut und versorgt sein eigenes Nest. 

Kleine Biene mit großer Wirkung

Trotz ihrer geringen Größe leisten Mauerbienen Beeindruckendes. Bei der Nahrungssuche bestäuben sie täglich tausende Blüten. Durch ihre besonders effektive Pollensammlung können einzelne Tiere eine Bestäubungsleistung erreichen, die der von vielen Honigbienen entspricht.

Davon profitieren vor allem früh blühende Pflanzen und Obstbäume wie:

  • Weiden

  • Krokusse

  • Blausterne

  • Apfel- und Birnbäume

Gerade in naturnahen Gärten sind Mauerbienen daher wertvolle Helfer für eine reiche Obsternte.

Kinderstube in Röhren und Mauerritzen

Mauerbienen nutzen vorhandene Hohlräume als Nistplätze: alte Käfergänge im Holz, hohle Pflanzenstängel, Mauerritzen oder Nisthilfen im Garten. In diesen Röhren baut das Weibchen mehrere hintereinanderliegende Brutzellen aus Lehm. Jede Zelle erhält einen Vorrat aus Pollen und Nektar – das „Proviantpaket“ für die kommende Larve.

Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die sich über den Sommer entwickelt. Als fertige Biene überwintert sie im Kokon und wartet dort bis zum nächsten Frühling auf ihren großen Auftritt. 

Harmlos und Willkommen

Viele Menschen begegnen Wildbienen zunächst mit Respekt – doch Mauerbienen sind ausgesprochen friedlich. Sie verteidigen ihre Nester nicht und stechen nur in äußerster Bedrängnis. Für uns Menschen sind sie daher praktisch ungefährlich. 

So können wir Mauerbienen helfen

Wer die kleinen Bestäuber unterstützen möchte, kann schon mit einfachen Maßnahmen viel bewirken:

> Frühblüher pflanzen (z. B. Krokus, Weide, Blaustern)
> Nisthilfen mit sauberen Röhrchen anbieten
> Naturbelassene Gartenbereiche zulassen
> Auf Pestizide verzichten

Mit etwas Glück lassen sich die Mauerbienen dann im Frühling beim Schlüpfen, Sammeln und Nestbau beobachten – ein faszinierendes Schauspiel direkt vor der Haustür. 

Hast Du schon Mauerbienen entdeckt?


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